27.07.2022, 18:00
bei Hamburg

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Antinationales Sommercamp

Wann: Mittwoch 27.07. bis  Sonntag 31.07.2022

Sonne, Sommer, Theorie! Zu entspannten Uhrzeiten werden zweimal täglich mehrere parallele Workshops angeboten, die, wie „im echten Leben“, in Konkurrenz zu anderen schönen Beschäftigungsmöglichkeiten wie schwimmen, schlafen, spazieren oder Lagerfeuerromantik (sehr umstritten!), stehen.
Das Camp lohnt sich erstens für Leute, die aktuelle politische Entwicklungen vertiefend diskutieren wollen: Hier wird es schwerpunktmäßig einige Workshops rund um den Krieg in der Ukraine geben. Also zu den Kriegsgründen der Kontrahenten (Russland, NATO, EU, Ukraine), zu Kriegsrechtfertigungen von allen Seiten und zu der neuen Aufrüstung in Deutschland.
Zweitens lohnt sich das Camp für diejenigen, die einen Einstieg in linksradikale Theorie bekommen wollen: z.B. Kapitalismuskritik, Imperialismuskritik, Einführung in das Finanzkapital, Universität und Wissenschaft im Kapitalismus, Politökonomie des Klimawandels.
Drittens gibt es eine Reihe weiterer Themen, für die man sich vielleicht schon immer mal interessiert hat: z.B. Erinnerungskultur und Nationalismus in Deutschland, Oktober-Revolution 1917 in Russland, Kritik der Querdenker, geistiges Eigentum.
Viertens werden einige Workshops englischsprachig angeboten und man hat Gelegenheit, einige Themen mit Leuten aus Großbritannien zu diskutieren.
Schaut gerne regelmäßig auf unserer Website nach, hier werden wir hinzukommende Workshops ankündigen.

Organisatorisches

Das Camp wird bei Hamburg stattfinden und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen sein. Übernachten kann man diesmal ausschließlich in Betten. Der Spaß kostet 10-25€, d.h. nach Selbsteinschätzung der eigenen finanziellen Möglichkeiten. Camp-Reader sowie tägliche Vollverpflegung sind im Teilnahmebeitrags enthalten. Auf dem Camp gibt es organisierte Selbstverpflegung: manchmal mitkochen, abwaschen, aufräumen – aber täglich essen (immer auch vegetarisch und vegan). Wer wegen der Höhe des Teilnahmebeitrags überlegt nicht zu kommen, melde sich bitte bei uns.
Vorhanden sind Tagungsräume, WLAN, Kicker, Tischtennisplatte, Fußball- & Beachvolleyplatz, XXL-Schach, Disc-Golf, Bouleplatz, Trampolin, Lagerfeuerplatz, Musikanlage, viel Wald zum Wandern, große Rasenfreifläche für sonst was und ein Badesee ganz nah dran (wenn die Blaualgen zuschlagen, ist der nächste ca. 5km entfernt). Hunde sind auf dem gesamten Gelänge nicht erlaubt.
Die Anlage ist laut Hausbetreiber barrierefrei. Das bedeutet konkret, dass man ebenerdig übernachten kann, dort auch Dusche und WC existieren, außerdem liegt die Küche im EG, und es gibt zwei Tagungsräume im Erdgeschoss. Weitere Details bei der Anmeldung. Wenn du bestimmte Bedürfnisse oder Fragen hast, melde dich gerne bei uns.
Wenn du mit Kindern kommen möchtest, melde dich bitte auch bei uns. Wir bemühen uns um Kinderbetreuung mindestens parallel zu einem Teil der Workshops.
Für das Kochteam wäre es wichtig, wenn du uns Allergien oder Unverträglichkeiten schon bei der Anmeldung mitteilst. Bei schwerwiegenden Allergien, bei denen selbst Spuren im Essen ausschlaggebend sind, kann es sein, dass eine Versorgung durch das Kochteam nicht zu gewährleisten ist. Es gibt noch eine separate, kleine, aber gut ausgestattete Küche für Fälle von (partieller) Selbstversorgung. Auf spezielle Trendernährung, Diäten usw. können wir nicht eingehen. Das warme Abendessen ist vegan und abwechslungsreich.

Workshops

Schau ab jetzt hier öfter vorbei, die Ankündigungen der Workshops werden laufend aktualisiert.

Wer Frieden will, der rüste sich zum Krieg
„Wer redet, der schießt nicht“, sagte die Bundesaußenministerin Annalena Baerbock. Da hätte man ja mal beruhigt sein können, denn so viele Spitzentreffen und Videoschaltungen von Staatschefs aller Herren Länder, wie im Winter 2021/2022, gab es selten. Nur ist der Zusammenhang von Diplomatie und Krieg ein völlig anderer als er von den zuständigen Kriegsherren und -damen immer mal wieder behauptet wird. Diplomatisch teilen sie sich nämlich wechselseitig mit, was sie voneinander wollen und definieren dabei „rote Linien“, bei deren Überschreitung sie gewillt sind, einen Krieg gegeneinander zu führen. Und mitten im Krieg wird weiter verhandelt, wie man aktuell sieht. Über die Gründe, warum Russland und die Ukraine Krieg führen, und die NATO-Staaten die Ukraine militärisch ausrüsten und Russland mit einem „totalen“ Wirtschaftskrieg überziehen, geht es in diesem Workshop.

Kriegsrechtfertigungen
Eigentümlichkeit 1: Alle Seiten in diesem Krieg behaupten, dass die anderen angefangen haben. Alle Seiten behaupten, dass sie nur den Frieden wollen, den die andere Seite verhindern will.
Eigentümlichkeit 2: Alle Seiten rechtfertigen ihren Krieg mit den zivilen Opfern, den die andere Seite hervorbringt. Um die zu verhindern, müssen im Krieg freilich zivile Opfer leider in Kauf genommen werden.
Eigentümlichkeit 3: Alle Seiten werfen sich wechselseitig vor, das Völkerrecht zu brechen.
Eigentümlichkeit 4: Wechselseitig werfen sich Russland und die Ukrainie einen Genozid vor.
Die Fragen des Workshops sind: Was ist an die Aussagen der Staatschefs die Unwahrheit oder Halbwahrheit und wie verweisen die indirekt zumindest auf die objektiven Kriegsgründe?
Angedacht ist mit einer sortierten Zitatensammlung von Putin, Selenski, Scholz und Biden zu arbeiten.

Erinnerungskultur und Nationalismus. Zwischen Gedenknationalismus und Schlußstrich
Mit ihrer Haltung zum Nationalsozialismus und zur bundesdeutschen Erinnerungskultur löst die AfD regelmäßig einen Aufschrei der Empörung aus. Mit der Forderung nach einer erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad und der Bezeichnung des Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte, kündigt die AfD den bei den etablierten Parteien geltenden Erinnerungskonsens auf. Dies zum Anlass genommen, möchte der Workshop nachzeichnen, wie die Erinnerungskultur in Deutschland sich nach 1945 gewandelt hat, bis sich letztlich zwei prägende Haltungen herauskristallisierten: Das staatsoffizielle Gedenken, das nur zu gerne „Verantwortung“ für den Nationalsozialismus übernimmt und der Wunsch nach einem „Schlussstrich“, wie von der AfD gefordert. Es soll die Frage beantwortet werden, wo diese Haltungen herrühren, wieso man beide Haltungen gleichermaßen kritisieren sollte und wie man das am sinnvollsten tut.

Universität und Wissenschaft im Kapitalismus
Universitäre Wissenschaft schmückt sich gerne damit, „der Menschheit“ zu dienen – auch einige Studierende beziehen sich gerne auf einen solchen vermeintlich „emanzipatorischen“ Charakter ihrer Wirkungsstätte.
Der Workshop möchte einen Kontrapunkt setzen: Mit einem Schwerpunkt auf die Natur- und Ingenieurswissenschaften soll aufgezeigt werden, inwiefern Universitäten nicht abstrakt der Menschheit, sondern recht konkret dem Kapital dienen – und wieso sie das paradoxerweise gerade dadurch tun, dass sie dem unmittelbaren Profitstreben entzogen sind. Unter Rückgriff auf Karl Marx' "Kapital" wird dargestellt, welche Rolle Wissenschaft im Kapitalismus spielt, um dann darauf einzugehen, wie das Verhältnis von Staat, Kapital und Universität beschaffen ist.
Über das Referierte soll anschießend diskutiert werden.

Grundlagen der Kapitalismuskritik
Auch vor der Pandemie sah die Welt nicht unbedingt rosig aus: Burnout und Arbeitsstress, Billigfood vom Discounter oder gleich abgelaufene Lebensmittel von der Tafel; das ist Alltag in Deutschland – anderswo gehören sogar Hungertod und einstürzende Fabrikbauten zum business as usual. All das ist kein Zufall, denn Armut und ein ruinöses Arbeitsleben sind notwendig im Kapitalismus. Der Workshop gibt daher eine Einführung in die Kapitalismuskritik. Die zentralen Bausteine kapitalistischer Ökonomien – Privateigentum, Geld, Kapital und Lohnarbeit – sollen systematisch entwickelt und in ihrem Zusammenhang dargestellt und kritisiert werden.
Der Workshop soll sich nicht ausschließlich an Leute richten, die sich noch nicht so lange mit Kapitalismuskritik beschäftigen. Auch, wer sich schon eine Weile damit beschäftigt, mag von einer Bestimmung und gemeinsamen Diskussion der Grundlagen der Kapitalismuskritik profitieren, etwa fürs Argumentieren gegenüber Freund:innen der herrschenden Wirtschaftsweise.

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